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Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville: ISBÉ
Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville: ISBÉ - GLOSSA 3 CD Lyrische Pastorale héroique glanzvoll interpretiert - eine Entdeckung Der „Buffonistenstreit“ um den Vorrang italienischer oder französischer Musiktradition im musikbesessenen Frankreich des 18. Jahrhunderts interessiert heute ja wohl kaum noch jemanden. Bedeutend ist aber, dass in Frankreich viele Vorzüge der italienischen Vokal- und Instrumentalmusik mit großem Erfolg assimiliert worden und zu einem genuin französisch-barocken Klangidiom geführt haben. Deren hervorragenden Vertreter Lully, Rameau, Destouches, Campra, Delalande oder eben Mondonville haben allesamt prächtigste Musik geschrieben, sei es für sakrale Zwecke (Grand Motets) oder eben als Opern, genauer pastorales héroiques, tragédies lyriques bzw. Ballettopern. Mondonville, Gegenspieler Rameaus, Geiger der Musique du Roi und später Sous-Maître der Chapelle Royal, war zu Lebzeiten mit seiner Isbé nicht unumstritten. Die Kritik bezog sich auf das geigerische Primat à la Corelli oder Vivaldi. Aber immerhin war es seine erste Oper, die am Hofe gespielt wurde. Der heutige Hörer ist jedenfalls fasziniert von der Fülle an barocker Invention: Von der „edlen, brillanten und kühnen“ Fuge in der Ouvertüre, dem gesungenen Vogelgezwitscher der Charite, Tänze mir rustikalen Anklängen, Gewittermusik, allerorts komplexen Rhythmen, Arien, bezaubernden Arietten, Chören, bis hin zu flötenbegleiteten Monologen und raffinierten Rezitativen, das alles bei überbordender instrumentaler Virtuosität. Das Libretto des Brigadiers de la Rivière (wie großartig wäre es, wenn auch heute noch hohe Militärs Opernlibretti schreiben würden statt Kriege zu planen) hat alle Ingredienzien für ein höfisches Spektakel um Liebesfreud und Liebesleid, Pantomimen und vielfältige Instrumentalsätze inklusive: Den Streit der Lust und der Liebe gegen die Mode. Die scheue Liebe der Hirtin Isbé zum Schäfer Coridon. Die unvernünftige Leidenschaft des Druidenführers Adamas für eben diese schöne Hirtin, die aus Furcht vor Verletzung auch ihren Cordion nicht geradezu mit Zärtlichkeiten überhäuft. Hier kommt die flatterhafte Charite auf den Plan, die den enttäuschten Schäfer Coridon verführen will, während Adamas um Isbés Hand anhält. Céphise und die Nymphen der Flüsse bieten ihre Zauberkraft um den gordischen Knoten zu lösen, werden von der Hirtin abgewiesen, die die Reinheit und Aufrichtigkeit ihrer Liebe durch nichts verfälscht wissen will. Am Schluss entsagt Adamas seinen Gefühlen und unter dem Gesang des Volkes gibt es das ersehnte Happy End mit Treueschwur des Hirtenpaars. Die im März 2016 in Budapest entstandene Einspielung unter der kundigen, idiomatisch untadeligen musikalischen Leitung von György Vasheghyi mit dem Orfeo Orchestar und dem Purcell Choir ist eine wahre Verführerin. Abseits aller akademischen Fragen bietet sie pralles Barocktheater mit allen wortdeutenden kompositorischen Verfeinerungen, raffinierten Tableaus und tänzerischem Elan. Wie ein steter silberner Bach gleiten Rezitative, Ariosi, Arien und Ensembles ineinander und bejubeln die pastorale Idylle, nur sanft in Wirrnis gebracht durch der Schäferin allzu zaghaftes Turteln. Das Hören ist aber auch dank der dramaturgisch abwechslungsreichen melodiösen Einfälle, der technischen Brillanz der Vokalsätze und des intensiven Engagements einer hervorragenden Sängerschar eine rechte Freude. An erster Stelle ist Katherine Watson in der Titelrolle für ihren eigentimbrierten Sopran und eine mädchenhaft-passionierte Interpretation zu bewundern. Ebenso erfreuen Reinoud Van Mechelen als Coridon, Thomas Dolié als Adamas und vor allem die quirlig bravouröse Chantal Santon-Jeffery als La Volupté und Charite mit qualitätsreichem Gesang. Ein besonderes Lob gebührt dem Chor. Für alle Liebhaber französischer Barockmusik des frühen 18. Jahrhunderts ein Muss. Dr. Ingobert Waltenberger
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