Der Neue Merker

20. MÄRZ 2017

Das Buch „Tschick“  (Rohwolt-Verlag)

 „Tschick“ am Theater Hagen mit (v.l.) Andrew Finden (Maik), Kristine Larissa Funkhauser (Isa) und Karl Huml (Tschick). Foto: Klaus Lefebvre

Das Theater Hagen stand dieses Wochenende im Zentrum des Interesses jener, die Neues auf der Opernbühne sehen wollen. Ein ganz großes Haus stünde da auf verlorenem Posten, denn im Grunde ist jede neue Oper ein Experiment, überhaupt eine „Buchvertonung“ wie die vorliegende. Das Experiment scheint gelungen, die ersten Presseberichte sind positiv. Wobei zwischen „freundlich“ (unfreundlich wurde noch keine neu geschaffene Oper aufgenommen, denn dann wäre der Kritiker ein Reaktionär – und wer will das in dieser Branche schon sein?) und positiv ein Unterschied besteht. In Hagen wurde übrigens auch „Lola rennt“ und eine weitere Vollmer-Oper uraufgeführt.

Wir haben eine „Online-Merker“-Eigenkritik von Christoph Zimmermann zur Verfügung, sind also nicht auf das deutsche Feuilleton angewiesen:

Wenn ein kleines, zudem extrem gefährdetes Theater wie das von Hagen in einer Spielzeit gleich zwei Werke des aktuellen Musiktheaters präsentiert, ist kaum ein Wort des Lobes zu hoch. Intendant Norbert Hilchenbach wird im Juni  HK Grubers „Geschichten aus dem Wiener Wald“ zu seinem Abschied inszenieren, jetzt gab es mit „Tschick“ von Ludger Vollmer sogar eine veritable Uraufführung. Zu dieser kam es nicht von ganz ungefähr, denn auch Vollmers Opern „Gegen die Wand“ und „Lola rennt“ wurden in Hagen aufgeführt. In dieser Saison ist Vollmer überdies „Komponist für Hagen“, kommt also auch bei Konzerten des Philharmonischen Orchesters zu Ehren.

„Tschick“ ist ein Erfolgssujet sondergleichen. Der Roman von Wolfgang Herrndorf wurde sogar zur allgemein verbindlichen Schullektüre erkoren, überdies zu einem der meistgespielten Theaterstücke umgeformt (Autor: Robert Koall) und von Fatih Akin auch verfilmt. Auslöser für Herrndorfs Roman war das Wiederlesen von Büchern seiner Jugend, nicht zuletzt von Mark Twains „Huckleberry Finn“. Herrmdorf wollte gemäß einem FAZ-Interview „herausfinden, ob sie wirklich so gut waren, wie ich sie in Erinnerung hatte, aber auch, um zu sehen, was ich mit zwölf Jahren eigentlich für ein Mensch war. Und dabei habe ich festgestellt, dass alle Lieblingsbücher drei Gemeinsamkeiten hatten: schnelle Eliminierung der erwachsenen Bezugspersonen, große Reise, großes Wasser.“ Das Wasser ersetzte Herrndorf in „Tschick“ durch Straßen, welche sein Titelheld mit Freund Maik in einem geklauten Wagen abenteuerlustig befahren…

…Die Hagener Aufführung kann eigentlich nur in höchsten Tönen gepriesen werden. Anzufangen wäre bei KRISTA BURGERs Grafiken und Projektionen, welche die von JAN BAMMES sinnfällig ausgestattete und ständig bewegte Bühne oft zur Filmkulisse werden lässt. Dies näher zu beschreiben hieße, sich unbotmäßig in Details zu verlieren. Dies gilt auch für die Inszenierung von ROMAN HOVENBITZER

Zum Premierenbericht von Christoph Zimmermann

Roadopera „Tschick“ in Hagen – Uraufführung
Hamburger Abendblatt

NEU IN UNSEREN KRITIKEN

BERLIN/ Deutsche Oper: TOD IN VENEDIG von Benjamin Britten. Premiere 19.3.

Seth Carico. Copyright: Marcus Lieberenz

Zum Premierenbericht von Dr. Ingobert Waltenberger

WIENER STAATSOPER: FAUST am 18.3.2017

Borras als Faust und Anita Hartig als Marguerite. Faust in "eleganter" Feinzwirn

Borras als Faust und Anita Hartig als Marguerite. Faust in „eleganter“ Feinzwirn. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Keine Frage, nach der Erkrankung des vorgesehenen Regisseurs Nicolas Joel vor fast neun Jahren wäre es besser gewesen, die damalige Premiere gleich abzusagen oder den damals längst engagierten Sängern zuliebe die Aufführung konzertant zu geben. Dazu kam noch erschwerend hinzu, dass auch der Ausstatter Andreas Reinhardt starb und durch Kristina Siegel ersetzt werden musste.
Und so stellt die jetzige Direktion eine Inszenierung „nach einer Idee“ in die Auslage, die ohne die Kenntnis dieser Vorgeschichte hinsichtlich Bühne und Regie die Gastvorstellung einer Provinzbühne zu suggerieren imstande ist. Wenigstens dafür hätte es einer Einlage im Programmheft bedurft, die erklären hätte können, warum man sich trotz dieser widrigen Umstände zur nochmaligen Aufnahme einer so beliebten Oper in das Repertoire entschlossen hat. Dazu hätte der damals erkrankte Nicolas Joel, aber auch das Publikum ein Anrecht gehabt…

Zum Bericht von Peter Skorepa

…Unumstrittener Star des Abends war die Marguerite der Anita Hartig, die mit ihrem klaren, festen lyrischen Sopran den melancholischen Mädchenton des Thuleliedes ebenso nachzeichnete wie die unschuldige Erregung atemlos machender, erster Liebe – bis hin zum lustvoll-verzückten Aufschrei im Finale des dritten Aktes. Sie hielt dabei ihren Sopran ausgezeichnet auf Linie, nur bei wenigen expressiven Spitzentönen geriet ein bisschen zuviel Metall in die Stimme. Sie sang und spielte ohne Übertreibung, sie hatte die Rolle verinnerlicht, ihre ganze Bühnenpräsenz wirkte so konzentriert und frisch einstudiert wie an einem Premierenabend. Und mit dem Fortschreiten des traurigen Gretchen-Schicksals mischten sich Verzweiflung hinzu und im Schlussbild ein Heroismus, der Marguerite den Heiligenschein einer Jeanne d’Arc aufsetzte. Das faustische Raffinement von Borras traf hier auf eine einfache, natürliche Frauenseele – die in aller Naivität den Fallstricken von Schmuck und natürlichem Charme auf den Leim ging…

Zum Bericht von Dominik Troger (www.operinwien.at)

Wird „PARSIFAL“ in Wien zum Politikum?

In Deutschland wurde Alvis Hermanis bereits vor geraumer Zeit so heftig wegen seiner Aussagen nicht über Flüchtlinge, sondern über die Flüchtlingspolitik und auch die Aufbereitung des Themas in deutschen Theatern, kritisiert. Das war keine Kritik mehr, das war eine Kampagne.  Diese führte sogar zur seiner Absage der „Lohengrin“ – Inszenierung in Bayreuth. Mittlerweile hat sich die Flüchtlingspolitik auch in Deutschland „relativiert“, die Aufbereitung des Themas in den Theatern aber eher nicht.

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Alvis Hermanis. Er redet sich in sein nächstes Problem. Foto: Peter Skorepa

Hat Alvis Hermanis aus dieser Situation gelernt? Eher nicht. Der Mann aus Lettland ist es offenbar gewohnt, in seiner Heimat das sagen zu dürfen, was er denkt. Das war dort zwar nicht immer so, aber die Zeiten haben sich geändert. Aber in Lettland arbeitet er eher selten. In Deutschland hat die Kanzlerin zum gleichen Thema, aber zu einer anderen Person, den Begriff der „unerwünschten Meinung“ geprägt. Die „erwünschte Meinung“ darf er sagen, wo immer er will. Hermanis glaubt nun in Österreich deutlicher als in Deutschland sprechen zu dürfen. Speziell in Österreich haben sich die Zeiten geändert, die Regierung, zumindest Teile davon,  hat in der Frage der Zuwanderung (echte Flüchtlinge stehen da wie dort außer Diskussion) die große Oppositionspartei längst rechts überholt (und damit das Wasser abgegraben), die Aussagen des Herrn Hermanis im Interview mit Renate Wagner haben somit wirklich niemand aufgeregt. Nun aber hat Hermanis im Interview mit der „Wiener Zeitung“ kräftig nachgelegt und die 68er-Generation kritisiert. Das ist natürlich eine Todsünde. Sofort regt sich darauf Widerstand in unserem meist in Agonie befindlichen Diskussionsforum (ich bin über die „Agonie“ gar nicht so unglücklich, wie Sie vielleicht glauben, denn Quote ist zwar gut, aber Nerven sind wichtiger).

Ich befürchte, dass Alvis Hermanis seinen „Parsifal“ damit zum Politikum gemacht hat. Die nächsten Wochen werden daher auch für mich fordernd.

Magdeburg: Schweizer Sängerin gewinnt Telemann-Wettbewerb
Die Schweizer Mezzosopranistin Geneviève Tschumi hat beim Internationalen Telemann-Wettbewerb in Magdeburg den Preis der Mitteldeutschen Barockmusik gewonnen.
Musik heute

Händeringend sucht die klassische Musik junges Publikum. Doch das ist eh schon da – in Asien. Und jetzt? Eine Spurensuche.

Klassische Musik in Asien boomt seit vielen Jahren. Doch der wirtschaftliche Aufschwung hat diesem Boom zuletzt neuen Antrieb gegeben.
Das Publikum in Asien ist viel jünger als jenes in Europa – und damit wird der Kontinent zum Zukunftsmarkt für die Klassik. Immer mehr Orchester touren durch Asien, und auch Opernhäuser verkaufen ihre Produktionen an neue Spielstätten in den asiatischen Millionenstädten.

„Neues Zeitalter der klassischen Musik“ in Asien
Händeringend sucht die klassische Musik junges Publikum. Doch das ist eh schon da – in Asien. Und jetzt? Eine Spurensuche.
Kurier

„Konzertgänger in Berlin“
Zeitzauberisch: Aequinox-Musiktage in und um Neuruppin
https://hundert11.wordpress.com/2017/03/19/zeitzauberisch-aequinox

London: Noch einmal „Meistersinger“:
Opera review: Wagner’s Die Meistersinger Von Nürnberg at the Royal Opera
http://www.express.co.uk/entertainment/theatre/780918/review-wagners

Die Meistersinger von Nürnberg; The Dream of Gerontius review – a muddle and a masterpiece
The Guardian

Chuck Berry: Rock’n’Roll-Legende starb mit 90 Jahren
Der Musiker Chuck Berry ist tot. Der US-Pionier des Rock’n’Roll starb am Samstag in seinem Haus, wie die Polizei in St. Charles County (US-Bundesstaat Missouri) mitteilte.
Salzburger Nachrichten

Theaterkritik WIEN / Durchhaus: BASH von Neil LaBute
Premiere: 16. März 2017, besucht wurde die Vorstellung am 19. März 2017 

Zum Bericht von Renate Wagner

Maria Theresia zum Vierten (morgen folgt der fünfte Teil

NÖ /  Niederweiden: 300 JAHRE  MARIA THERESIA „STRATEGIN MUTTER REFORMERIN“
Modernisierung und Reformen
Vom 15. März 2017 bis zum 29. November 2017  

Taferlklassler und Daumenschrauben

Ein „Taferlklassler“  zu sein und „Daumenschrauben“ angesetzt zu bekommen – beides besteht in der Realität nicht mehr, aber die Begriffe sind lebendig geblieben. Zumindest ersterer geht ausschließlich auf das Zeitalter Maria Theresias zurück, die die Unterrichtspflicht als staatliche Aufgabe sah. Sie sorgte dafür, dass möglichst jedes Kind in der Monarchie mit Hilfe einer mit Buchstaben beschriebenen, etwas mehr als handgroßen Tafel das Lesen und Schreiben lernte. Eine von vielen Reformen ihrer Epoche, die Karl Vocelka in der Ausstellung „Modernisierungen und Reformen“ auf Schloß Niederweiden dokumentiert hat.

Zum Ausstellungsbericht von Heiner Wesemann

Programmtipp Wien

Diese Woche wir für mich „haarig“ . Mittwoch zuerst ein Gesichtsbad bei einer Buchpräsentation in einer Galerie in der Clementinengasse, danach der Merker-Kunstsalon.

Und Donnerstag haben wir in der Online-Galerie das Gespräch mit der Regisseurin Angela Zabrasa, das ich Ihnen dringend empfehle!

staba

Was schrieb ich gestern? Bei einer Niederlage der Wiener Austria sieht die Welt für die Rapid-Fans schon wieder freundlicher aus. Nun, es wurde keine Niederlage der Austria in Salzburg, es wurde eine Hinrichtung: 0:5. Mit meinem X-Tipp bin ich ziemlich danebengelegen.

Damit stelle ich fest: Die Salzburger sind auf dem Weg zum Meistertitel nicht mehr aufzuhalten, haben acht der letzten neun Meisterschaftsspiele gewonnen!

War hat die Bilanz „versaut“? Admira Wacker, in der Vorwoche mussten die Salzburger nämlich beim 1:1 Punkte liegenlassen!

Ich wünsche eine schöne Woche!

A.C.

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