Der Neue Merker

BERLIN/ Jüdisches Museum: „WELCOME TO JERUSALEM“ – zu sehen bis 30.4.

BERLIN/ Jüdisches Museum: „Welcome to Jerusalem“ – zu sehen bis 30.4.2018

Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin

Als Zentrum der drei monotheistischen Weltreligionen, des Christentums, Judentums und Islams war und ist Jerusalem eine Ausnahmeerscheinung, begehrtes Zentrum der Herrschaft, immer schon ein multikultureller Ort. Dass die Eröffnung  der Ausstellung  „Welcome to Jerusalem“ im Jüdischen Museum Berlin fast zeitgleich mit Trumps Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels erfolgte, gibt der Ausstellung eine aktuelle Brisanz.

Der Titel ist Konzeption und wird in 15 Kapiteln mit fast 300 Exponaten abgehandelt. Willkommen sollen alle in Jerusalem sein, dessen Geschichte, religiöse Vielfalt und aktuellen Probleme kennenlernen. Das will die Ausstellung für ein internationales Publikum in erster Linie atmosphärisch vermitteln. 70 Filmteams begleiteten 24 Stunden lang 90 Bewohner Jerusalems in ihrem Alltag. Sie  filmten Juden, Christen, Araber  beim Arbeiten, in der Freizeit, ihre Stellungnahmen zu aktuellen Ereignissen. Das Ergebnis ist eine sehr videogeprägte Ausstellung mit vielen optischen Eindrücken und Fakten, doch ohne wesentliche neue Erkenntnisse für den, der ein gewisses Vorwissen mitbringt.

Mottogerecht werden die Besucher mit „Welcome to Jerusalem“ mit vier simultanen Großwandprojektionen begrüßt, die sich Jerusalem als imposanten Stadtraum aus unterschiedlichsten Perspektiven nähern. „Die Vermessung der Stadt“ entwickelt sich  aus historischen Karten, Drucken, Fotografien, Panoramabildern, Leporellos, am besten durch eine sehr große animierte Grafik, in der die Stadterrweiterung Jerusalems in Relation zur Eroberungsgeschichte in Endlosschleife dargestellt wird. Hier wird jedem deutlich, wie  sich in Jerusalem, bedingt durch die religiösen Machtverschiebungen und demographische Entwicklung der Christen, Juden und Moslems deren Lebensbereiche ständig veränderten und überlagerten.

Hinter der „Reise nach Jerusalem“ offeriert sich die Bedeutung Jerusalems als Pilgerstadt für alle drei Religionen, sichtbar durch Symbole, Tätowierungsstempel, Weihegefäße, Souvenirs der Pilger, wobei durch die vielen Kreuze die Wände hinauf  die Präsenz der Christen völlig übergewichtet erscheint.

Im Raum der „Heiligen Stadt“ wird Jerusalems multireligiöse Vielfalt hörbar.  Gebete und Gesänge der drei Religionen über den  Modellen der Klagemauer, Grabkirche und des Haram asch-Scharif schwebend,  vermitteln den besonderen Klang Jerusalems. Ein eigenes Kapitel, dem Jüdischen Museum geschuldet, ist dem „Tempel im Judentum“ gewidmet.

Ansonsten zeigt die Ausstellung immer sehr subjektiv „Diesseits und Jenseits der Stadtmauer“ beide Seiten im „Konflikt“. Aus der Sicht einzelner Bewohner wird das heutige Jerusalem  im Alltag lebendig. Einem Barbier wird nicht erlaubt in die Al-Aksa-Moschee zu beten. Ein arabischer Junge erzählt, wie er  seinen Drachen, wenn er über die Mauer fliegt, gefahrvoll durch ein selbst gebuddeltes Loch unter der Mauer zurückholen muss. Eine jüdische 90-jährige erinnert sich an die Ausgrenzung der Juden in Berlin. Interviews aus „24th Jerusalem“ bilden ein Kaleidoskop von  Parallelen und Unterschieden  im „Alltag in Jerusalem“.  Nebenthemen beleuchten „Hotels“, sabotiert von Juden, „Frohe Provokateure“, die sich mit religiösen Situationen ironisch auseinandersetzen. „Nächstes Jahr in Berlin“ präsentiert Postkarten und Standorten Jerusalems in Berlin, vom Neu-Jerusalem über Flughafen Tempelhof bis zu Berliner Biergarten „Golgatha“. „Videokunst“ beendet die Ausstellung, wobei Yael Bartanas „Inferno“ das Ausstellungsthema unfassbaren kitschig smart konterkariert. Junge Menschen aus aller Welt in weißen Gewändern mit Blumen und Früchten geschmückt,  werden wie in einem Hollywoodfilm pompös, von schlechten Statisten inszeniert im Tempel Opfer eines Attentats,  die religiösen Symbole dennoch gerettet.  Die Ausstellung hätte einen würdigeren Abschluss verdient.

Zu sehen bis 30. April 2019 im Jüdischen Museum Berlin

Michaela Schabel

 

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