Der Neue Merker

BREGENZ/ Großes Festspielhaus: MOSE IN EGITTO von G. Rossini. Premiere

BREGENZ/ GROSSES FESTSPIELHAUS: „MOSE IN EGITTO“. Premiere am 20.7.2017

Tragisch-sakrale Handlung in drei Akten. Musik: G. Rossini, Libretto von Leone Tottola

Für die szenische Umsetzung konnte Lotte de Beer gewonnen werden. Sie setzte auf Tradition mit gewagten Puppenspiel und die Rechnung ging bis auf ein paar Schnitzer auf. Großartig die szenische Zusammenarbeit mit dem Puppentheater „Hotel Modern“ (Hermann Helle, Arlene Hoornweg, Pauline Kalker und Heleen Wiemer). Diese arbeiten mit kleinen geschnitzten Puppen. Diese haben nicht sonderlich schöne, aber ausdrucksstarke Gesichter und werden auf Zwischenvorhänge und eine Art sich drehende Weltkugel projiziert. Zum Teil sind das sehr eindrucksvolle starke Bilder, die natürlich an die Katastrophen im Mittelmehr erinnern wollen, aber auch an die Exodusgeschichte der jüngeren Vergangenheit. Etwas zuviel des Guten waren die drei Regisseure, die immer die Sänger wie für Fotos schlichten wollten. Einmal nett, aber nicht allzu oft. Die Puppen sieht man einmal als gequälte Kreaturen, dann wieder die Verbreiter der von Gott gesandten Plagen an die herrschenden Ägypter. Der Pharao gibt allerdings erst nach, als sein Sohn vom Blitz getroffen fällt, auch dann zögerlich und das ägyptische Heer ertrinkt erbärmlich im roten Meer. Diese Projektionen waren einfach großartig. Sehr schön auch, aber leider viel zu lang, der Zwischenvorhang während der „Preghiera“, in so einer Schlüsselszene muss man die Sänger sehen. Wären diese Bilder dahinter projiziert, es wäre sensationell, so gut waren sie an sich.

Die Handlung läuft nach der biblischen Geschichte und hat zum Aufputz die unselige Liaison zwischen der Hebräerin Elcia und dem Königssohn Osiride, eine Parallele zu Fenena und Ismale in Verdis Nabucco.

Christof Hetzer sorgte für ein einfaches und praktisches Bühenbild und interessante kleidsame Kostüme.

Eine große Choroper, also beginnen wir mit dem Chor, exzellent sang der Prager Philharmonische Chor unter Lukas Vasilek.

In der Titelrolle hörte man den kroatischen Bass Goran Juric, eine gut geführte Stimme, ein wenig mehr Schwärze in der Stimme hatte es noch schöner gemacht. Sein Gegner, der Pharao wurde von Andrew Foster Williams mit angenehmen Bassbariton gut umgesetzt. Die Oper fordert drei Tenöre, wie so viele Rossiniopern. Osiride war Sunnyboy Dladla, ein Sänger aus Südafrika, der von Josef Protschka unterrichtet und gefördert wird. Eine schon etwas gereifte Stimme, schon sehr ins Spintofach gehend, aber leicht und flexibel geführt. Er hat mit den Rossiniläufen keinerlei Schwierigkeiten. Nebenbei ist er ein ausgezeichneter, sehr temperamentvoller Schauspieler, den man eher bremsen sollte. Der zweite Tenor ist Aronne. Matteo Macchioni hat genau diese richtige leichte Rossinistimme dafür und singt stilistisch hervorragend. Da merkte man schon sehr die alte Schule von Pesaro. Ebenso ein Tenor ist der ägyptische Priester Mambre. Gekleidet, mit Federschmuck an Kopfe erinnerte Taylan Reinhard  mehr einem Kaziken der Inka. Auch er hatte das gewisse Timbre für diese Rolle.

Als Almathea, die friedfertige Gattin des Pharao hörte man Mandy Fredrich mit sehr klangschönen Sopran, auch sie trifft den Stil genau richtig. Die Überraschung bot die junge Clarissa Costanzo aus Capua. Sie studierte am Konservatorium von Napoli San Pietro a Majella und gewann diverse italienische Wettbewerbe. Mit sechsundzwanzig Jahren ist sie bereits international, speziell aber doch in Italien unterwegs. Ihre Stimme ist ein wunderschöner, sehr gut geführter lyrischer Sopran mit bereits sich abzeichnendem Spintocharakter. Ich bin sicher, dass man sie bald an ganz großen Häusern hören wird. Die Schwester von Aronne, Amenofi sang Dara Savinova mit angenehmen Mezzo. Eine kleine, aber für die Ensembles wichtige Rolle.

Am Pult war Enrique Mazzola. Er führte genau, wenn auch wenig differenziert, die Wiener Symphoniker spielten wie schon am Abend zuvor am See wieder hervorragend.

Jahre später arbeitete Rossini dieses Werk in Paris auf eine große französische Oper um. „Mose et Pharao“ hieß es dann und bekam neben Ballett auch eine Ouvertüre dazu, auch einige Protagonisten wurden umbenannt.

Das Publikum nahm die Oper begeistert auf. Von Missfallensäußerungen zur Regie war wenig zu merken.

Elena Habermann        

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