Der Neue Merker

WIEN/ Theater an der Wien: DON GIOVANNI

Theater an der Wien –Don Giovanni19.12. 2016

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Copyright: Werner Kmetitsch/ Theater an der Wien

Kein geringerer als E.T.A Hoffmann hatte sie als „Oper aller Opern“ bezeichnet, jenen „Don Giovanni“ von Mozart, der bereits in der bewährten Inszenierung von Keith Warner 2006 denBeitrag des damaligen KlangBogen-Festivals zum Mozartjahr bildete. 2009 wurde diese erfolgreiche Produktion wieder aufgenommen und nun gibt nach sieben Jahren neuerlich ein Wiedersehen mit der bereits in die Jahre gekommenen Produktion im Theater an der Wien. Auch dieses Mal wurde die Wiener Fassung aus dem Jahr 1788 geboten, die unter Verzicht auf das moralisierende Schlusssextett mit der Höllenfahrt Don Giovannis endet. Für diese Fassung hatte Mozart die Arie des Don Ottavio mit den vielen Koloraturen im zweiten Akt durch die herrliche „Dalla suapace“-Arie im ersten Akt ersetzt, was bedeutet, dass der Tenor die andere Arie nicht singt. Die Partie der Elvira wiederum wurde durch die große „Mi tradi“-Arie aufgewertet und ein Duett für Leporello und Zerlina neu hinzugefügt, das sonst nie gespielt wird.Don Giovanni ist Manager Im „Hotel Universale“ (Ausstattung:Es Devlin). Leporello fungiert in diesem Hotel als Concièrge. Elvira, ein Zimmermädchen, und Masetto, ein  Page, komplettieren das Personal dieses amourösen Hotels. Donna Anna ist in diesem Hotel ein bereits in die Jahre gekommener lästiger Dauergast. Als ein typisches Mittelklassehotel besitzt das „Hotel Universale“ auch zwei Aufzüge, schließlich ist ja Mozarts Oper ein dramma giocoso in zwei Aufzügen. Regisseur Keith Warner setzte in seiner Inszenierung bewusst auf Slapstick und Klamauk, was bei der ersten Begegnung 2006 noch frisch und frech wirkte, hatte drei Jahre später schon etwas an Witz und Esprit eingebüßt. Sieben Jahre Pause haben der Inszenierung gut getan. Vieles hat man in der Zwischenzeit wieder verdrängt, sodass die Inszenierung nun wieder mit einigen ungewöhnlichen Einlagen neuerlich überraschen konnte und das Interesse nicht nachließ.

Für die musikalische Umsetzung konnte dieses Mal auch Maestro Ivor Bolton gewonnen werden, der bemüht war, dem Mozarteumorchester Salzburg zu seinem gebührenden Ruhm zu verhelfen. Freilich konnte er nicht immer überzeugen, denn zwischen Bühne und Graben war nicht immer eine ideale Verbindung zu erreichen. In der Titelrolle trat der US-amerikanische lyrische Bariton Nathan Gunn mit einer Beiläufigkeit auf, der man einen glaubwürdigen Frauenschwarm nicht abnehmen wollte. Vielleicht musste er deshalb auch eine Partydroge in den Champagner mischen, um das weibliche Geschlecht so besser gefügig machen zu können. Gesanglich bot er eine zufriedenstellende, wenngleich nicht außergewöhnliche Leistung und durfte dann im Schlusstableau auch als röchelnder Greis seinem Ende entgegenhusten und in einem gläsernen aufgestellten Sarg sein Blut verspritzen, wobei einige Buchstaben des Hotelschildes ausbrechen und nur mehr das Wort „Hoelle“ überbleibt. Der neuseeländische Bassbariton Jonathan Lemalu ließ durch seinen markanten Bariton als gepiesackter Leporello aufhorchen.

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Copyright: Werner Kmetitsch/ Theater an der Wien

Die junge kanadische Sopranistin Jane Archibald gab mit der Donna Anna ihr erfolgreiches Debüt am Theater an der Wien. Die rachsüchtige Donna Elvira wurde dieses Mal von der US-amerikanischen Mezzosopranistin Jennifer Larmore äußerst temperamentvoll dargeboten. Gleich zu Beginn der Oper zieht sie mit einer Unzahl von Koffern ins Hotel ein. So scharf wie ihr Degen, den sie gegen Don Giovanni zog, war auch ihr kräftiger metallischer Mezzosopran. Als Stubenmädchen Zerlina gab es ein Wiedersehen mit der norwegischen Sopranistin Mari Eriksmoen, die ebenda bereits 2015 in Paisiellos „Il barbiere di Siviglia“ erfolgreich aufgetreten und in Erinnerung geblieben war. Ihr großes schauspielerisches Talent konnte sie in einer witzigen Szene mit Leporello ausspielen, wo sie diesen an einen Garderobewagen fesselt und anschließend den Wehrlosen  mit Staubwedel, Fön und heißem Bügeleisen quält. Tareq Nazmi gefiel als eifersüchtiger und tollpatschiger Masetto.

 Martin Mitterrutzner verströmte als „Don Ottavio“einigen tenoralen Schmelz aus seiner Gurgel. Lars Woldt war ein profunder Commendatore mit äußerst morbider Dämonie im finalen Auftritt. Der Arnold-Schoenberg-Chor unter Erwin Ortner sang und spielte wieder formvollendet. Der Abend war sehenswert, da man einiges bereits vergessen hatte und hörenswert, da man neue Interpreten, ein anderes Orchester und einen verdienstvollen Dirigenten erleben durfte. Das Publikum war trotz einer Aufführungsdauer von 3 Stunden und 30 Minuten (samt Pause) noch kräftig genug, wohlwollenden Applaus zu spenden. Der Rezensent hielt allerdings nicht so lange durch, denn nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag drohte ihn die Müdigkeit zu übermannen.

    Harald Lacina

 

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