Der Neue Merker

12. AUGUST 2017

Streaming-Tipps: Wütende Dramatik und edelste Stimmen. Heute „AIDA“ von den Salzburger Festspielen (20,15 h ORF 2

Machen Sie sich selbst ein Bild, lassen Sie sich nicht von obergescheiten Kritikern und „Opernexperten“ den Kopf vollschwafeln.

Sigi Brockmann aus Münster schreibt: Bei Opernaufführungen wird häufig zuviel über die Inszenierung und zuwenig über die Musik geschrieben, drei Viertel über den Regisseur und seine vermeintlichen Absichten, dann erfährt man kurz, es wurde auch noch mehr oder weniger gut gesungen und auch ein Dirigent dirigierte ein Orchester. Wenn man versucht, es anders zu machen, hört man an Reaktionen, dass Leser vor allem wissen wollen, was sie sehen, die Musik glauben sie ja zu kennen. Über eine Gesangs- oder Orchesterleistung zu berichten, ohne die vielleicht schon bekannten Namen zu nennen, geht auch nicht. Was zeitversetzte Oper im Kino betrifft, so weiß der Leser, dass der Verfasser es eben aus der Sicht und Akustik des Kinos aufnimmt, natürlich ein Unterschied zur Aufführung im Opernhaus. Da aber viel mehr Opernfans eine Aufführung im Kino/TV sehen als im Opernhaus, hat auch ein solcher Bericht seine Berechtigung.

In Festspielzeiten führen uns Streamingtipps in die teuersten Musentempel, aber auch zu Begegnungen mit Interpreten-Legenden und neuen Musiktheater-Experimenten: Otto Schenk erzählt Weber, ein Finne komponiert Bergman.

GRAFENEGG-FESTIVAL eröffnet am 18. August mit «Freischütz» – die Vorstellung ist als Stream bei myfidelio.at als echte Live-Übertragung zu sehen, ORF III sendet Live-zeitversetzt!

 

Nach einer Serie höchst erfolgreicher Sommerkonzerte am Wolkenturm wird am Freitag, 18. August, das 11. Grafenegg Festival eröffnet, das bis 10. September an vier Wochenenden die besten Orchester, Dirigenten und SolistInnen präsentiert. Carl Maria von Webers romantische Oper «Der Freischütz» steht im Mittelpunkt des Festivalauftakts, der mit der Uraufführung der «Grafenegg Fanfare» von Brad Lubman eingeläutet wird. Der US-Amerikaner Brad Lubman ist 2017 Composer in Residence in Grafenegg und leitet auch den Composer-Conductor Workshop INK STILL WET. Wie seine Vorgänger wird er im Schlosspark einen Komponisten-Baum pflanzen. Seine Wahl fiel auf eine Salix babylonica, eine «Echte Trauerweide». Um den neuen Baum auch musikalisch in Grafenegg zu verwurzeln, hat Tonkünstler-Chefdirigent Yutaka Sado sein Super Kids Orchestra aus Japan eingeladen.
Eine besondere Aufgabe bei der konzertanten Aufführung des «Freischütz» kommt Otto Schenk zu: Er wird die Zwischentexte rezitieren, die der Autor Christoph Klimke eigens für Grafenegg geschrieben hat.

myfidelio.at streamt den Abend um 19.30 Uhr live, ORF3 überträgt die Aufführung live zeitversetzt um 20.15 Uhr in der Sendung «Erlebnis Bühne».

 

Jetzt sind wir beim Thema „live-zeitversetzt“. Aus gegebener Veranlassung wurden schon vor vielen Jahren die „echten Liveübertragungen“ von Opern abgesetzt, das Risiko war manchem Künstler zu groß. Ich erinnere mich an eine „Verkaufte Braut“-Premiere an der Wiener Staatsoper, in der Karl Ridderbusch total heiser als Kezal auftrat. Jahre später erzählte er mir, dass ihm diese Übertragung schwer geschadet hat. Bei live-zeitversetzt kann man manipulieren, eventuell Sequenzen aus früheren Aufführungen einfügen (im angeführten Fall bei einer Premiere wäre das wohl nicht möglich gewesen – aber Premieren werden zur Zeit selten übertragen). Bei der dritten Vorstellung hat das TV bereits Aufzeichnungen der vorigen Aufführungen „im Kasten“ – es kann also nicht viel schiefgehen. Wie das läuft, wer darüber entscheidet, welche Sequenz eingeblendet wird, würde mich interessieren. Einfach ist die Sache dennoch nicht! 

Momentaufnahme aus Salzburg  – 10. und 11. August 2017

Ist es der Hinterhäuser-Effekt ? So voll war die Stadt an der Salzach  schon lange nicht – trotz der schwülen Hitze gefolgt von abendlichem Kälteeinbruch mit Schnürlregen. Familien mit kleinen Kindern, viele junge  Paare aus Asien , dazu die Festspielgäste – darunter viele von weit her angereist. So auch aus Russland, das Wirtschaftswachstum hat dort ja angezogen,  vielleicht sogar   aus dem 3650 km entferntem  Perm, wo der derzeit angesagteste  Jung-Dirigent Teodor Currentzis  beruflich zu Hause ist.  Angeblich ist er dem Ruf des Permer Bürgermeisters nur gefolgt, weil er Orchester und Chor seiner MusicAeterna aus Nowosibirsk , die er an seiner früheren Arbeitsstätte aufgebaut hatte,  mitnehmen konnte. Somit gibt es jetzt in der östlichsten Millionenstadt Europas  im Uralvorland  jeweils zwei dieser Klangkörper, wobei die „Ewigen“ ein halbes Jahr mit dem Chef auf Tournee sind, so  im Herbst im Wiener Konzerthaus und derzeit eben in Salzburg.

Schlussapplaus: Patricia Kopatchinskaja, Teodor Currentzis, MusicAeterna. Copyright: Marco Borelli/ Salzburger Festspiele

Zum Bericht von Ulrike Messer-Krol

Innsbruck/ Festwochen der Alten Musik
Das lange Warten
Ole Anders Tandberg inszenierte „Il ritorno d’Ulisse in patria“ bei den Innsbrucker Festwochen für Alte Musik.
Wiener Zeitung
Mythologie mit derbem Wirtshauscharme
Kritik – „Il ritorno d’Ulisse in patria“ bei den Innsbrucker Festwochen
BR-Klassik
„Ulisse“: Gesänge vom überirdischen Dilemma
Claudio Monteverdis Oper wird bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik unter der Regie von Ole Anders Tandberg zu einem Vexierspiel der Fantasien. Drei kurzweilige Stunden mit zauberhaften Momenten –
Der Standard

Erfurt: Gewitter sorgt für Abbruch der Troubadour-Premiere

Die Premiere von Giuseppe Verdis Oper „Der Troubadour“ bei den Domstufen-Festspielen in Erfurt ist ins Wasser gefallen. Eine starke Regenfront mit Blitz und Donner sorgte dafür, dass die Aufführung vorzeitig von Intendant Guy Montavon abgebrochen werden musste. Die etwa 2.000 Premierenbesucher erlebten vor der imposanten Kulisse des Erfurter Mariendoms knapp die Hälfte des Stückes. (Quelle: Musik heute)

Morgen, SONNTAG 13. AUGUST: SOPHIA LARSON WIRD 70

Bildergebnis für art larson
Sophia Larson – „Markenzeichen“ Hut

ART LARSON – Sophia Larson
 Die Künstlerin Sophia Larson hat eine Weltkarriere auf der Opernbühne gemacht.  Sie ist eine der „Ausnahme-Sopranistinnen“, die sowohl bei den Bayreuther Festspielen (Venus, Sieglinde) als auch in der Arena di Verona (Titelpartie in „La fanciulla del West“ –  Das Mädchen aus dem goldenen Westen) aufgetreten ist. Sie sang und arbeitete an fast allen wichtigen europäischen und amerikanischen Opern- und Konzerthäusern, alternierend im deutschen und italienischen Heroinenfach, mit den Filmregisseuren Werner Herzog, Gianfranco De Bosio, Claudio Monticelli und Vittorio Rossi. Mit Ihrer Interpretation der Katjuscha in Alfanos „Risurrezione“ kam sie auf die Titelseite der Tageszeitung „La Stampa“ in Italien. Ihr Repertoire sang sie in sechs Sprachen: Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Tschechisch und Ungarisch… Mehr darüber in unseren „Infos des Tages“

Heute ist Sophia Larson im Bereich der Bildenden Kunst tätig (Art Larson), sie kuratiert Ausstellungen – u. a. von ihrem Gatten Hans Sisa. In diesem Zusammenhang war sie bereits öfter in unserer „Online-Galerie“, die nun „Strichelei“ heißt, anzutreffen.

John Cage – zum 25. Todestag

John Cage

John Cage – geboren am 5. September 1912 in Los Angeles, gestorben am 12. August 1992 in New York City: eine Jahrhundertfigur. Er war Komponist, Aktions- und Konzeptkünstler, Dichter, Maler, Pilzkundiger und in sich ruhender, meist heiter lächelnder Philosoph aus dem Geiste des Zen-Buddhismus. Sein ganzes Leben lang stellte der Erfindersohn die richtigen Fragen und er fand Antworten, an deren ins Werk gesetzter Evidenz sich seither weltweit kein seriöser Komponist von Kunstmusik vorbei mogeln kann – gleichgültig wie er sie beurteilen mag…

Eine Jahrhundertfigur
Komponist, Aktions- und Konzeptkünstler, Dichter, Maler, Pilzkundiger und Philosoph – mit diesen Attributen lässt sich John Cage umschreiben. Am 12. August jährt sich der 25. Todestag des Allrounders.
BR-Klassik

Ein Flügel als Investment
Ein Hamburger Start-up restauriert teure Konzertinstrumente. Dem Käufer der wertvollen Instrumente verspricht die „Klangmanufaktur“ stolze vier Prozent Rendite…

…Kapitalanleger können einen der restaurierten Flügel kaufen, die Manufaktur vermietet das Instrument dann für mindestens zehn Jahre an einen Künstler oder eine Musikschule, und der Investor erhält für die Dauer eine Rendite. ..

Ein Flügel als Investment
Ein Hamburger Start-up restauriert teure Konzertinstrumente. Dem Käufer der wertvollen Instrumente verspricht die „Klangmanufaktur“ stolze vier Prozent Rendite.
Tagesspiegel

Sprechtheater/ Salzburg
Kritik „Kasimir und Karoline“: Mit vollem Körpereinsatz für die Liebe
Mit vollem Körpereinsatz schickt das Regieduo 600 Highwaymen Performer in den Ring, um bei den Salzburger Festspielen dem Gefühl in Krisenzeiten nachzuspüren.
Salzburger Nachrichten

Riga/ Liepaja: Lettland feiert den 100. Geburtstag mit Musik und Tanz

Lettland ist ein Land der Musik, und die Letten haben sie in ihren Kehlen, genau wie die Esten und Litauer. Nach wie vor lernen und singen sie von kleinauf ihre traditionellen, teils  mehr als tausendjährigen Volkslieder und gestalten mit ihnen ihre fabelhaften Gesangs- und Tanz-Festivals, ein Ereignis für Jung und Alt.  


Lettland, Gesangs- und Tanz-Festival, Foto Latvian National Centre for Culture

Zum Bericht von Ursula Wiegand

London/ Leichtathletik-Weltmeisterschaft: Unfassbare Entscheidung. Gehört die Startnummer zum Körper?

Ivana Spanovic hat bei der Leichtathletik-WM eine Medaille verpasst, weil sich ihre Startnummer gelöst hat

Im letzten Sprung übertraf Ivana Spanovic die 7 Meter-Marke klar. Zumindest zu Silber hätte die Weite reichen müssen. Trotzdem gab es für Spanovic nur „Blech“. Das Foto zeigt das Problem- Beim Weitsprung zählt der letzte Abdruck. Der Hintern der Frau Spanovic ist von der Startnummer, die sich beim Sprung gelöst hat, gute 15 vm entfernt – und der Hintern ist eigentlich der letzte Abdruck, den Spanovic hinterlassen hat. Die Weitenmessung nahm jedoch die herabhängende Startnummer als letzten Abdruck – der Protest der Serbin wurde zumindest in erster Instanz abgewiesen.

Für mich ist das unverständlich – und es ergeben sich Fragen. Wem gehört die Startnummer? Wohl dem Leichtathletik-Weltverband. Wer hat die Startnummer montiert? Am Rücken kann die Athletin wohl selbst nicht gebunden haben. Haben nun die Veranstalter die Startnummer befestigt, dann wäre der Protest anzuerkennen. Hat „den Fetzn“ jemand aus dem Umfeld der Weitspringerin angebracht, dann erst wäre der Protest abzuweisen. Wobei natürlich auch in diesem Fall die Frage offenbleibt, ob ein Stück Textil zum Körper gehört. „Nacktspringen“? Auch nicht erlaubt, aber wohl die einzige Möglichkeit, derartigen Unsinn künftig zu vermeiden
Ich denke, der Fall ist wohl nocht nicht erledigt!

Für heute wünsche ich einen schönen Tag!

A.C.

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